Konzertsaal-Debatte: Ude beruhigt die Münchner Philharmoniker

29. Dezember 2011 | Kultur

Bei der letzten Orchesterversammlung am 14. Dezember 2011 hat Münchens Oberbürgermeister Christian Ude die Münchner Philharmoniker, ihren Intendanten Paul Müller und ihren künftigen Chefdirigenten Lorin Maazel beruhigt. Ude beschwichtigte mit der Mitteilung, dass im Gegensatz zu dem Eindruck, den manche Medien gezielt hervorrufen wollen, keineswegs in wenigen Jahren ein weiterer Konzertsaal-Neubau zu erwarten sei, der die Wettbewerbssituation der Philharmoniker schwächen und die Einnahmen aller bestehenden Konzertsäle schmälern könnte. Ude wörtlich: "Auch wenn man bei mancher Zeitungslektüre vermuten möchte, dass morgen die Bagger anrollen, ist in Wahrheit noch gar nichts geklärt und gar nichts entschieden und gar nichts absehbar."

Christian Ude weiter: "Das Projekt „neuer Konzertsaal auf der Museumsinsel“ ist nicht einmal so weit, wie es das Projekt „neuer Konzertsaal im Marstall“ schon einmal gewesen ist, bevor es grandios scheiterte." Bekanntlich hatte es für das MarstallProjekt immerhin bereits einen ArchitekturWettbewerb und eine Vereinsgründung gegeben. "Bei der Museumsinsel ist noch nicht einmal der Standort klar, geschweige denn die Frage „Neubau oder Umbau“ entschieden, vom fehlenden Landtagsbeschluss und der fehlenden Finanzierung ganz zu schweigen. Der Kulturausschuss des Landtags ist noch nicht einmal befasst worden."

Ausführlich legte Ude dar, dass nach 8-jähriger Neubaudebatte immer noch kein Landtagsbeschluss vorstellbar sei, "denn neben der deutlichen Skepsis der drei Oppositionsfraktionen ist eine strikte Ablehnung durch wesentliche Teile der CSU festzustellen". Selbst im Falle einer positiven Beschlussfassung müsse aber erst noch über Neubau oder Einbau entschieden werden. Die von potenziellen Sponsoren bevorzugte Neubauvariante setze einen Abriss des bestehenden Kongresssaals voraus, zu dem sich das Landesdenkmalamt bereits ablehnend geäußert hat. Die Stadtspitze bleibe zwar bei ihrer signalisierten Bereitschaft, als Planungsbehörde eine architektonische Neubaulösung nicht blockieren zu wollen, die Realisierungschancen seien aber gleichwohl äußerst gering. "Für die Variante „Einbau eines neuen Konzertsaals in den bestehenden Kongresssaal“ wünsche ich viel Vergnügen. Die Stadt kann gerne über ihre Erfahrungen mit Umbauplänen bei denkmalgeschützten Bauwerken berichten", sagte der Oberbürgermeister.

Ausdrücklich betonte Ude, dass die Arbeitsgruppe des Freistaats ausschließlich die Standortfrage untersucht habe und nicht die "Fragen des Bedarfs sowie des Nutzungs- und Betreiberkonzeptes für einen neuen Konzertsaal". Der Freistaat müsse bei der Bedarfsfrage bedenken, dass es neben der städtischen Philharmonie mit 2.400 Sitzplätzen auch das konzertant nutzbare Nationaltheater mit 2.000 sowie den Herkulessaal mit 1.270 und das Prinzregententheater mit 1.183 Sitzplätzen gebe. Selbstverständlich würde ein zusätzlicher Konzertsaal die Auslastung und damit auch die Wirtschaftlichkeit sämtlicher anderen Säle reduzieren.

Da der Freistaat entgegen seinen Ankündigungen bis Jahresende keine definitive Entscheidung bekanntgeben könne, sei die Stadt bereit, noch ein halbes Jahr Fristverlängerung zu gewähren für die Frage, ob das Rundfunkorchester nicht doch – wenn auch gegen eigene Wunschvorstellungen – auf die Philharmonie im Gasteig angewiesen bleibe. "Wenn bis dahin keine Zusage für einen weiteren Verbleib vorliegt, muss die Stadt allein entscheiden, welche architektonischen, technischen und akustischen Verbesserungen von der Stadt allein geschultert werden können, um den Philharmonikern eine möglichst attraktive Zukunft im Gasteig zu sichern".

Immerhin müsse die Stadt rechtlich zwangsläufig bis 2030 noch 75 Millionen Euro an Leasingraten in den Gasteig stecken, um Eigentümer dieses Leasingmodells zu werden. „Das ist viel Geld, das man nicht missachten darf. Aber immerhin haben wir dafür im kommenden Jahrzehnt auch den einzigen real existierenden großen, reinen Konzertsaal in München.“

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