Im Interview

»DIE SPD SOLL 2013 KRÄFTIG ZULEGEN«

Christian Ude steht als Spitzenkandidat zur Landtagswahl 2013 bereit. Mit dieser Ankündigung in der Sommerpause hat der Münchner Oberbürgermeister in der BayernSPD große Begeisterung ausgelöst. Am 7. Oktober hat der Landesvorstand Christian Ude offiziell als Kandidaten vorgeschlagen. Der designierte Spitzenkandidat im Gespräch.

In den letzten Jahren hast Du es immer abgelehnt, für den Landtag zu kandidieren. Was hat Dich jetzt dazu bewogen, die Meinung zu ändern?
Geändert hat sich zunächst einmal meine Situation! Früher ging es um die Alternative Rathaus oder Landtag und da wollte ich meiner kommunalen Aufgabe treu bleiben. Jetzt geht es um die Frage, ob ich nach 20 Jahren als Münchner Stadtoberhaupt noch einmal eine große Aufgabe übernehme oder nicht. Da eröffnet sich die Chance, etwas Neues für Bayern und für die Sozialdemokratie zu tun. Im Freistaat soll endlich die demokratische Selbstverständlichkeit Einzug halten, dass ein Regierungswechsel durch Wählervotum realistisch möglich ist. Und die SPD soll 2013 kräftig zulegen, was uns auch auf der Bundesebene gut tun würde.

Was kreidest Du der CSU an? Über Horst Seehofer hast Du Dich ja wiederholt recht freundlich geäußert.
Wir sollten nicht Personen herabsetzen, sondern Alternativen anbieten. Ich bin vor haargenau 45 Jahren in der SPD Mitglied geworden, um der damals schon erdrückenden Übermacht der CSU entgegenzutreten. Damals war ich übrigens Landesvorsitzender der Bayerischen Schülerpresse und kämpfte gegen deren Zensur, die erst vier Jahrzehnte später abgeschafft wurde. Auch die damals geforderten Rechte für die Schülerschaft haben in Bayern jahrzehntelang auf sich warten lassen. Hier ist der Fortschritt wirklich eine Schnecke. Die soziale Ungerechtigkeit des Bildungswesens ist sogar noch schlimmer geworden durch die Studiengebühren. Noch genau vor einem Jahr hat die CSU für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke gestimmt, wir haben mindestens ein Vierteljahrhundert vorher erkannt, dass ein Ausstieg das Gebot der Stunde ist. Die einstmals stolzen Bayernwerke wurden im Privatisierungswahn verscherbelt, wir hingegen haben die Stadtwerke zu wirtschaftlich und ökologisch vorbildlichen Unternehmen gemacht ...

Die politische Konkurrenz, vor allem im fränkischen Raum, wirft Dir vor, dass Du nur an die Städte denkst oder gar ein „Münchner Zentralist“ bist. Wie willst Du dem entgegen treten?
Ich habe mich immer den Aufgaben gewidmet, die mir gestellt wurden. 15 Jahre lang habe ich mich als stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Städtetags für alle bayerischen Kommunen eingesetzt, auch für die kleinen und besonders für die strukturschwachen. Als Ministerpräsident werde ich mich genauso intensiv für ganz Bayern einsetzen, wie ich mich als Deutscher Städtetagspräsident für alle Städte engagiere.

Die CSU sagt auch, München sei nur dank der CSU-Staatsregierung so erfolgreich.
Ja was denn nun? In Franken erzählt die CSU, dass ich dem armen Land alles Geld vor der Nase wegschnappe, in München behauptet sie, der ganze Erfolg der Stadt sei den Milliarden des Freistaats zu verdanken. Dann sitzen doch dort die Zentralisten! Übrigens hat mich die CSU in München auch schon beschimpft, weil ich mit Behördenverlagerungen und Kasernenschließungen zu Gunsten strukturschwacher Regionen einverstanden war und nicht „alles für München“ geschrien habe. Sie drehen sich und wenden sich, wie sie es gerade brauchen.

Wie willst Du die Zeit bis September 2013 nutzen? Wird das kein extrem langer Wahlkampf?
Der Wahlkampf beginnt frühestens mit dem Aufstellungsparteitag im nächsten Sommer, er sollte sich aber auf die letzten Monate konzentrieren. Ich kann nirgendwo eine Sehnsucht nach jahrelangen Wahlkämpfen feststellen. Die nächsten Monate sollten wir für die Programmdiskussion nutzen, für Präsenz in allen Regionen Bayerns, für das „Gespräch mit jedermann“ und jeder Frau, wie Waldemar von Knöringen gesagt hat, und für die Gründung von Wählerinitiativen. Die Bereitschaft zur Mitwirkung hat mich selbst überrascht.

Dieses Interview mit Christian Ude ist der Auftakt für einen neuen Dialog im Vorwärts. Ab sofort können Mitglieder Fragen an Christian Ude stellen. Diese werden dann samt Antworten in den nächsten Ausgaben und hier auf der Website veröffentlicht. Die Kontaktadresse: christian.ude@spd.de

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