Nach der Rührei-Debatte: Heraus mit dem Rezept!
Münchner Merkur, 25. Januar 2012:
Lieber Peter,
in Deinem letzten Brief hast Du so leidenschaftlich über Rührei, Bouillabaisse, Püriertes sowie gemischtes Kalbslüngerl geschrieben, dass ich mich kurz fragte, ob Du künftig Michelin-Sterne vergeben oder gar Fernsehkoch werden möchtest. Aber nein: Die gequirlten Eier und die Fischsuppe und all die anderen Leckerbissen sollten nur eine Metapher für Europa sein, und damit warst Du wieder schnell bei Deinem Thema, das Dir mit seinem unglücklichen Verlauf tatsächlich Auftrieb zu geben scheint.
Es vergeht ja kaum eine Woche ohne neue bittere Einsichten, wie unverfroren viele Akteure in den Schuldenstaaten vorgegangen sind und weiterhin vorzugehen gedenken und wie unermesslich groß die Rettungsschirme noch werden sollen, die wir nolens volens über den Schuldenbergen am Mittelmeer und anderswo aufzuspannen haben. Und dann hast Du mit dem LindeChef Wolfgang Reitzle auch noch einen wahrhaft kompetenten Mitstreiter gewonnen, der sich wie Du schon ernsthaft fragt, ob nicht eine Rückkehr zur D-Mark das Beste wäre. Das geht ja über die bisherigen Überlegungen, die Griechen aus der Euro-Zone zu werfen und mit der Drachme versauern zu lassen, weit hinaus; wenn Deutschland aussteigen könnte und aussteigen wollte und aussteigen würde, gäbe es ja über kurz oder lang überhaupt keinen Euro mehr. Reitzle stellt das munter zur Debatte, obwohl ihm klar ist, dass dies zunächst einmal zum Einbruch der deutschen Exportwirtschaft führen würde und in den folgenden Jahren zu steigernder Arbeitslosigkeit, was er ehrlicherweise gleich dazu gesagt hat. Aber immerhin: Jetzt teilt ein Großer der deutschen Wirtschaft Deine EuroSkepsis und unter gewissen Bedingungen, die auch seiner Hoffnung nach nie eintreten mögen, sogar die Sehnsucht nach der guten, alten D-Mark.
Du freust Dich über den „TabuBruch“, dass man jetzt ganz offen darüber nachdenken und sprechen dürfe, das europäische Omlett wieder in Eier zurückzuverwandeln. In der Küche ist das meines Wissens noch keinem gelungen, aber das wirft ja nur die Frage auf, ob die Rührei-Doktrin eine passende Metapher ist oder nur ein unglückliches Sinnbild, das uns einbläuen soll, dass es keine politischen Alternativen gebe. TINA , das war Maggie Thatchers Erfindung und hieß „There ist no Alternative“, es gibt keine Alternative. Wir waren uns schon immer einig, dass dieser anmaßende Satz, den politische Führer gerne verwenden, um jedes kritische Nachdenken schon im Keim zu ersticken, schlichtweg unakzeptabel ist. Natürlich gibt es Alternativen, die Frage ist nur, ob andere Optionen als die aktuell vorgeschlagene tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen.
Und jetzt wird unser kulinarischer Dialog ungemütlich. Irgendwann wirst Du Dein Rezept verraten müssen, wie Du aus der gequirlten europäischen Schuldenkrise leckere Währungseinheiten zubereiten möchtest. Mit einem trotzigen „Nein, dieses Rührei ess' ich nicht“ wirst Du kein weiteres Jahr bestreiten können. Und auch der berühmte Spruch aus dem Schwabinger Uschi-Glas-Film „Zur Sache, Schätzchen“: „Es wird böse enden“, wird nicht dauerhaft alle Auskunftswünsche zufriedenstellen. Wir, Deine Leserschaft, wollen wissen, was Du in der Währungsküche zu tun gedenkst. Also wirklich zur Sache: Wünschst Du Dir einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Gemeinschaft? Soll Deine Partei sich daranmachen, die größte Lebensleistung ihres Ehrenvorsitzenden Theo Waigel rückgängig zu machen? Sollen wir allen Geldbeträgen, die die Regierung Merkel – Rösler – Seehofer bereits für die Euro-Rettung lockergemacht hat, endgültig Adieu sagen? Soll die Export-Nation wirklich sehenden Auges einen Einbruch auf allen Weltmärkten hinnehmen, und wie viel Arbeitslosigkeit ist für ein finanzpolitisches D-Mark-Abenteuer akzeptabel?
Politik ist nicht Wehklagen, auch wenn es dafür verteufelt viele gute Gründe gibt. Politik ist Richtungsbestimmung. Das hast Du oft genug zitiert. Also beschreibe doch mal die Richtung, die eingeschlagen werden soll. Und benenne die Schritte, die als erstes getan werden müssen. Das wird ein spannender Disput.
Wie Du möchte ich mit der Beamtenversorgung schließen. Bei diesem Thema zeigt sich in der Tat sehr deutlich, wie seriös die Politik mit vorhersehbaren, mit unaufhaltsam auf uns einstürzenden Problemen umgeht. Du beklagst, dass der Bund die Anlagerichtlinien lockern will, damit künftig auch französische Staatsanleihen trotz mittlerweile schwächerer Ratingnoten erworben werden dürfen. Warum derartig in die Ferne schweifen? In diesen Wochen hat Bayerns Staatsregierung in dreistelliger Millionenhöhe die fälligen Zahlungen für die Pensionsrücklage einfach verweigert und dann auf die berechtigte Kritik jüngerer Abgeordneter mit dem bemerkenswerten Vorschlag reagiert, die Rücklage aufzulösen. Merke: Wenn man die Rücklage abschafft, braucht man ihr überhaupt keine Zahlungen mehr zu leisten. Du siehst: Auch ohne europäische Probleme lässt sich Finanzpolitik recht unseriös gestalten.
Mit herzlichen Grüßen
Dein Christian
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@2n1f Doch, siehe http://t.co/rMbuXix1
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Bin soeben in Berlin gelandet und habe vom Sieg der #FCB-Frauen erfahren. Herzlichen Glückwunsch von mir. Das ist ja ein guter Auftakt!
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Jetzt in Berlin zum #Pokalendspiel im #Olympiastadion. Fest drücke ich den Roten die Daumen – der FCB heißt ja schließlich „Bayern München“.